Gendergerecht schreiben – Warum und wie?

Wer an einer Universität, Hochschule oder bei einer staatlichen Einrichtung tätig ist, wurde bestimmt bereits einmal auf einen Leitfaden zur sprachlichen Gleichbehandlung oder gendergerechten Sprache aufmerksam gemacht. Vielen Leuten ist die geschlechtergerechte Schreibweise bewusst, wenden es aber nicht an, weil sie es als unleserlich und kompliziert empfinden. Es geht aber auch leserlich und einfach!

Wer kennt es nicht: man schreibt einen Text und plötzlich an einer unscheinbaren Textpassage stellt man fest, dass es sich eigentlich um einen weiblichen Zimmermann handelt – also Zimmermannin, Zimmerfrau oder Zimmerin? Die korrekte Antwort wäre in diesem Fall Zimmerin (gewusst?). Man überprüft nochmals den ganzen Text auf weitere Stellen, die überarbeitet werden müssen. Drei Stunden später ist der Text plötzlich doppelt so lang dank Paarformen wie «Berufsfeuerwehrmänner und Berufsfeuerwehrfrauen müssen Informationen vom Gebäudetechnikplaner oder der Gebäudetechnikplanerin berücksichtigen.» Die Schreibweise ist korrekt gendergerecht geschrieben, aber irgendwie nicht wirklich zufriedenstellend. Muss man denn überhaupt die weibliche Bezeichnung erwähnen und gibt es eine schönere Alternative als die Paarform? Die Antwort zu beiden Fragen lautet: Ja!

Was bringt die gendergerechte Sprache?

An erster Stelle zeigt die gendergerechte Sprache die Gleichberechtigung von Frauen und Männer. Die Gleichstellung von Frau und Mann in der Schweiz ist seit 1981 in der Bundesfassung (Art. 8 Abs. 3 BV) verankert. In der Sprache wird sie aber noch nicht konsequent durchgesetzt. Mit der geschlechtergerechten Formulierung werden die Frauen explizit erwähnt und nicht nur implizit mitgemeint.
Werden die Frauen lediglich mitgemeint, kann es oft zu Verwirrungen und Missverständnissen kommen. Wird beispielsweise ein Text nur mit der männlichen Form geschrieben, lässt sich ungenau daraus lesen, ob wirklich nur Männer gemeint sind oder sich auch Frauen angesprochen fühlen müssen. Die Frauen – im Gegensatz zu den Männern – müssen sich also bei jedem Einzelfall fragen, ob sie nun auch betroffen sind oder nicht. Nicht zu vergessen sind Personen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen.
Gendergerechte Sprache unterstützt auch gesellschaftliche Veränderungen, denn Sprache ist eng mit dem Denken verbunden. Unsere Vorstellung beeinflusst unsere Schreibweise, sowie umgekehrt. Liest man «Häftlinge» denkt man direkt an Männer, sowie man bei «Alleinerziehenden» sofort an Frauen denkt. Besonders stark ist diese Wirkung bei Personenbezeichnungen in Bereichen, die eher als Männerdomäne bekannt sind. Verwendet man jedoch auch die weibliche Bezeichnung wie z. B. Zimmerin, wird die weibliche Präsenz in diesen Bereichen für viele Personen immer besser vorstellbar und somit auch selbstverständlicher. Ob es in Zukunft, wenn alle gendergerecht schreiben, mehr Präsidentinnen, Chefärztinnen und Richterinnen gibt, kann man nur hoffen.
Und wenn wir schon beim Thema sind: Herrlich hat mit Herren genauso wenig zu tun, wie dämlich mit Damen. Dämlich stammt nämlich von dämeln!

Die Alternativen

Nebst der sehr bekannten Schrägstrich-Variante, welche zur Paarform gehört, gibt es noch weitere Schreibweisen wie Gendergap, Gendersternchen, Binnen-I oder die Einklammerung. Einige verwenden lieber die neutrale Schreibweise, machen einen Vermerk oder wechseln bei Aufzählungen das Geschlecht ab. Welche Variante die geeignetste ist, entscheidet jedes Unternehmen für sich, denn offizielle Richtlinien oder Dudeneinträge existieren leider (noch) nicht. Viele Hochschulen, Universitäten sowie staatliche Ämter haben ihr eigenes Handbuch zur gendergerechten Sprache erstellt. Private Unternehmen regeln die geschlechtergerechte Schreibweise in ihrem Corporate Wording.

Bezeichnung Beispiel Vorteil Nachteil
Paarform Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beide Geschlechter gleichgestellt Texte werden lange
Einklammerung Mitarbeiter(innen) weibliche Form miteinbezogen Hierarchie entsteht – weibliche Form wird weggeklammert
Schrägstrich-Variante Mitarbeiter/-in beide Geschlechter werden angesprochen weibliche Bezeichnung als Anhängsel; oft entstehen grammatikalische Schwierigkeiten
Binnen-I MitarbeiterIn beide Geschlechter angesprochen und mitgelesen oft entstehen grammatikalische Schwierigkeiten; könnte Aussehen wie ein Schreibfehler
Gendergap Mitarbeiter_in beide Geschlechter angesprochen, sowie Menschen, die sich nicht klar einem Geschlecht zuordnen oft entstehen grammatikalische Schwierigkeiten; Schwierigkeiten bei Suchmaschinen und setzen von Hyperlinks
Gendersternchen Mitarbeiter*in beide Geschlechter angesprochen, sowie Menschen, die sich nicht klar einem Geschlecht zuordnen oft entstehen grammatikalische Schwierigkeiten; Schwierigkeiten bei Suchmaschinen und setzen von Hyperlinks
Neutrale Schreibweise Mitarbeitende alle Geschlechter sind gemeint wirkt unpersönlich
Anmerkung Mitarbeiter (Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen wird zwar nur die männliche Form genannt, stets aber die weibliche Form gleichermassen mitgemeint.) Gendergerechte Sprache wird thematisiert Im Text wird keine gendergerechte Sprache benutzt und somit auch nicht sichtbar
Abwechselnde Benutzung Ganz egal, ob Bauunternehmer, Architektin, Bauingenieur oder Immobilienverwalterin: Im Zentrum steht das Wohnen. Frauen werden genannt; gendergerechte Sprache fällt auf unklar, wann tatsächlich nur Menschen eines bestimmten Geschlechts gemeint sind

Wir haben zur Hilfe ein White Paper erstellt, in dem die neutralen Schreibweisen detailliert erklärt werden. Zudem helfen 15 Faustregeln bei der Entscheidung, ob die Paarform oder eine der fünf neutralen Schreibweisen verwendet werden soll.